600 Millionen Gebäude gewogen für effizienteres Bauen
Wissenschaft ·
Eine internationale Untersuchung hat das Gewicht von rund 606 Millionen Gebäuden bestimmt: zusammen etwa 835 Milliarden Tonnen. Am sparsamsten sind dicht beieinanderstehende Gebäude, die ähnlich hoch und eher niedrig sind.
Wie viel Material in der gebauten Welt steckt, wusste bisher niemand genau. Eine internationale Arbeitsgruppe hat es ausgerechnet: rund 606 Millionen Gebäude, zusammen etwa 835 Milliarden Tonnen. Die Zahlen stehen in der Zeitschrift Nature Cities.
Die Grundlage sind hochaufgelöste Satellitenbilder, geografische Daten und Angaben darüber, woraus in welcher Weltgegend gebaut wird. Daraus lässt sich für jedes erfasste Gebäude abschätzen, wie viel Beton, Stahl, Ziegel und Holz darin verbaut sind.
Interessant wird das durch den Vergleich. Die Arbeit setzt das Material ins Verhältnis zur nutzbaren Fläche und zur Zahl der Menschen, die darin wohnen. Am besten schneiden Städte ab, in denen viele Gebäude dicht beieinanderstehen, die ähnlich hoch und eher niedrig sind. Sie bieten pro Person mehr Fläche und brauchen dafür weniger Material. Weder das Einfamilienhaus im Umland noch der einzelne Turm ist also die sparsame Bauweise.
Ein zweiter Befund betrifft die Verteilung. Länder mit hohem Einkommen stellen etwa 16 Prozent der Weltbevölkerung und verbrauchen 46 Prozent des Baumaterials. Von den zwanzig Ländern, die künftig am meisten davon brauchen werden, sind neunzehn Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen. Die Vereinigten Staaten sind die einzige Ausnahme.
Eine Vermessung ist keine Erfindung, und trotzdem hängt an ihr mehr als an den meisten Erfindungen. Das Bauwesen verursacht einen erheblichen Teil aller Treibhausgase, und über Einsparungen wurde bisher weitgehend im Ungefähren geredet, weil niemand wusste, wie viel Material tatsächlich verbaut ist. Jetzt gibt es eine Zahl, an der sich rechnen lässt.
Der Befund über die sparsame Bauform ist der brauchbarste Teil, weil er einer verbreiteten Annahme widerspricht. Man würde vermuten, je höher gebaut wird, desto sparsamer. Tatsächlich kostet jedes zusätzliche Stockwerk überproportional Material für Fundament und Tragwerk. Die sparsame Stadt ist die gleichmäßig dichte mit mittlerer Höhe, nicht die mit den höchsten Türmen.
Der Vergleich zwischen den Ländern ist die unbequeme Stelle. Die Länder, die künftig bauen müssen, sind fast alle arm; die Länder mit dem großen Bestand sind reich. Ratschläge zum sparsamen Bauen kommen also von denen, die ihren Anteil längst verbraucht haben.
Solche Arbeiten kommen in keiner Nachrichtensendung vor und verändern trotzdem, worüber Fachleute überhaupt streiten können.