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Acrylglas lässt sich ohne Lösungsmittel und bei deutlich weniger Hitze fast vollständig in Bausteine zerlegen

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Bild aus der Folge, mit KI erzeugt

Eine einzige günstige Chemikalie zerlegt Acrylglas fast vollständig in seinen Grundbaustein, ohne Lösungsmittel und bei etwa halb so viel Hitze wie das übliche Verfahren. Das hat ein Team der ETH Zürich im Labor gezeigt.

Forschende um die Materialwissenschaftlerin Athina Anastasaki von der ETH Zürich haben ein neues Verfahren entwickelt, um Acrylglas zu recyceln. Erstautor der Arbeit ist Richard Whitfield, beteiligt sind auch die ETH-Professoren Tae-Lim Choi und Gunnar Jeschke. Die Studie erschien laut MDR am 2. September 2026 in der Fachzeitschrift Nature Chemistry, die ETH hat sie am 19. Oktober vorgestellt.

Acrylglas, chemisch PMMA, besteht aus langen Ketten des Bausteins Methylmethacrylat. Solche Bausteine heißen Monomere. Um die Ketten zu zerlegen, reicht eine handelsübliche, günstige Verbindung aus der Stoffklasse der N-Hydroxyimide. Es braucht kein Lösungsmittel, keinen Katalysator, kein UV-Licht und keine eingebauten Sollbruchstellen in den Ketten. Das übliche Verfahren, die Pyrolyse, arbeitet bei über 400 °C, das neue kommt mit etwa der Hälfte aus.

Die ETH nennt eine Ausbeute von bis zu 98 Prozent Monomer. Bei buntem, handelsüblichem Acrylglas mit Zusatzstoffen ließen sich laut MDR bis zu 90 Prozent zerlegen. Aus 5 Gramm blauem Acrylglas gewannen die Forschenden durch Destillation rund 90 Prozent als hochreines Methylmethacrylat zurück. Daraus lässt sich wieder Kunststoff in Neuwarequalität herstellen.

Das Verfahren soll mit bestehenden Anlagen laufen. Die ETH hat ein Patent angemeldet und sucht Lizenznehmer. Nach Schätzungen des EU-Projekts MMAtwo werden in Europa jährlich etwa 300.000 Tonnen PMMA hergestellt, rund 30.000 Tonnen Abfall gehen ins Recycling.

Einordnung

Erprobt wurde das Verfahren bisher nur im Labor mit wenigen Gramm. Ob es sich im großen Maßstab energetisch und wirtschaftlich lohnt, ist offen. Die 98 Prozent sind der beste Wert unter günstigen Bedingungen, keine nachgewiesene Ausbeute im Industriebetrieb.

Bei der Temperatur gehen die Angaben auseinander, sie reichen von etwa 175 bis 230 °C. Sicher ist, dass es etwa halb so heiß zugeht wie bei der Pyrolyse. Das EU-Projekt MMAtwo setzt auf Pyrolyse bei 350 °C, ist aber schon näher an der Industrie und verarbeitet auch verunreinigte Abfälle.

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