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Der asiatische Löwe in Indien kämpft nicht mehr ums Überleben, sondern um Platz

Natur und Umwelt ·

Die 16. Zählung ergab 2025 in Gujarat 891 asiatische Löwen, rund ein Drittel mehr als fünf Jahre zuvor. Ein wachsender Teil von ihnen lebt außerhalb der Schutzgebiete, auf Acker- und Ödland zwischen den Dörfern.

Der asiatische Löwe kommt weltweit nur noch in einem einzigen Gebiet frei vor: im Westen Indiens, im Bundesstaat Gujarat, rund um den Gir-Nationalpark. Vor gut hundert Jahren war der Bestand auf wenige Dutzend Tiere geschrumpft.

Die 16. Zählung im Jahr 2025 kam auf 891 Tiere. 2020 waren es 674 gewesen — ein Zuwachs von rund einem Drittel in fünf Jahren.

Die zweite Zahl ist die interessantere. In nicht bewaldeten Gebieten, also auf Ackerland, Ödland und in der Umgebung von Siedlungen, stieg die Zahl von 340 auf 507. Der Bestand wächst also nicht nur, er verlässt auch den Schutzraum. Nationalpark und angrenzende Schutzgebiete beherbergen inzwischen weniger als die Hälfte der Population.

Das bringt eine neue Art von Problem mit sich. Löwen, die durch bewirtschaftetes Land streifen, treffen auf Vieh, auf Brunnen, auf Straßen und auf Menschen. Der Artikel, der Anlass für diese Meldung war, beginnt entsprechend mit einem Löwen, der in einen offenen Brunnen gestürzt und dort verendet ist.

Die indischen Behörden führen das Nebeneinander von wachsendem Bestand und zunehmenden Begegnungen als die zentrale Aufgabe der kommenden Jahre.

Einordnung

Der Titel des Artikels ist bereits die ganze Nachricht: Es geht nicht mehr ums Überleben, sondern um Platz. Für eine Art, die vor hundert Jahren aus wenigen Dutzend Tieren bestand, ist das die seltenste Form einer guten Nachricht im Naturschutz — nicht eine gerettete Population, sondern eine, deren Erfolg neue Probleme schafft.

Ein Teil davon geht leicht unter. Dass mehr als die Hälfte der Löwen außerhalb der Schutzgebiete lebt, heißt auch, dass Menschen sie dort dulden. Ein Großraubtier, das durch Ackerland streift, überlebt nur, wenn die Bauern es nicht erschießen. Schutzgebiete kann eine Verwaltung anordnen, diese Duldung nicht.

Was die Zahlen nicht sagen: Ein einziger Bestand an einem einzigen Ort bleibt verwundbar, egal wie groß er wird. Eine Seuche oder ein Großbrand träfe alle asiatischen Löwen der Welt auf einmal. Die 891 sind ein Erfolg und keine Entwarnung.

Ein Hinweis für Empfindliche: Der Artikel selbst steigt mit dem verendeten Löwen im Brunnen ein.

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