Fortschritt, den keiner gemerkt hatIm VideoMit Vorbehalt

Brust-Tomosynthese: im 1. Jahr weniger Zwischenkrebse, nach zwei Jahren ein Viertel weniger, nicht gesichert

Medizin ·

Bild zur Meldung: Brust-Tomosynthese: im 1. Jahr weniger Zwischenkrebse, nach zwei Jahren ein Viertel weniger, nicht gesichert
Bild aus der Folge, mit KI erzeugt

In der Münsteraner TOSYMA-Studie mit knapp 100.000 Frauen fand die Tomosynthese, eine 3D-Aufnahme der Brust, mehr Tumore schon beim Screening als die herkömmliche Mammografie: 83,5 gegen 72,3 Prozent. Im ersten Jahr traten in der Tomosynthese-Gruppe 29 Prozent weniger Zwischenkrebse auf; über zwei Jahre waren es 24 Prozent weniger, statistisch aber nicht gesichert.

Die Universität Münster und das Universitätsklinikum Münster (UKM) haben in der TOSYMA-Studie zwei Verfahren für das Brustkrebs-Screening verglichen. Knapp 100.000 Frauen zwischen 50 und 70 Jahren wurden von 2018 bis 2020 an 17 Screening-Standorten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen per Zufall auf zwei Gruppen verteilt. Die eine Gruppe bekam eine Tomosynthese, also eine 3D-Aufnahme der Brust, mit einem synthetischen 2D-Bild. Die andere bekam die herkömmliche digitale Mammografie. Studienleiter ist Prof. Walter Heindel, Erstautorin Prof. Stefanie Weigel, gefördert hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

Gemessen wurden vor allem Intervallkarzinome. So heißen Krebserkrankungen, die nach einem unauffälligen Befund vor der nächsten Untersuchung entdeckt werden. Im ersten Jahr waren es 4,5 je 10.000 Frauen in der Tomosynthese-Gruppe gegen 6,3 in der Mammografie-Gruppe, 29 Prozent weniger. Laut Uni Münster ist dieser Unterschied statistisch signifikant. Über 24 Monate, das Hauptergebnis der Studie, lagen die Werte bei 14,2 gegen 18,6 je 10.000 Frauen: 24 Prozent weniger, aber statistisch nicht signifikant.

Von allen invasiven Tumoren, die innerhalb von zwei Jahren gefunden wurden, entdeckte die Tomosynthese 83,5 Prozent schon beim Screening, die Mammografie 72,3 Prozent. Zwischenkrebse in der Tomosynthese-Gruppe waren seltener lokal fortgeschritten und hatten seltener die Lymphknoten in der Achsel befallen. Gesunde Frauen wurden mit beiden Verfahren ähnlich zuverlässig als unauffällig eingestuft.

Schon 2022 hatte TOSYMA gezeigt, dass die Tomosynthese mehr Tumore findet: 7,1 gegen 4,8 invasive Brustkrebse je 1.000 untersuchte Frauen. In der nächsten Screening-Runde will das Team prüfen, ob die Tomosynthese fortgeschrittene Tumorstadien stärker verringert.

Einordnung

TOSYMA ist eine randomisierte Studie, die Frauen wurden also per Zufall auf die Verfahren verteilt. Sie zeigt aber nicht, dass weniger Frauen an Brustkrebs sterben. Der Rückgang über zwei Jahre kann Zufall sein, gesichert ist nur das Ergebnis für das erste Jahr. Rund 20.000 Frauen weniger nahmen teil als geplant, vermutlich wegen der Corona-Pandemie; das schwächt die Aussagekraft. Mehr gefundene Tumore können auch Überdiagnosen bedeuten, also Befunde, die ohne Untersuchung nie Beschwerden gemacht hätten. Das hat die Studie nicht gemessen.

Im deutschen Mammografie-Screening-Programm ist die Tomosynthese nicht eingeführt, darüber ist nicht entschieden. Finanziert wurde die Studie laut Universität von der DFG; Angaben zu möglichen Interessenkonflikten stehen in der Fachveröffentlichung in „The Lancet Oncology“.

Weitersagen WhatsApp