Dünger aus getrennt gesammelten menschlichen Ausscheidungen wirkt im Schnitt so gut wie Mineraldünger
Wissenschaft ·
Dünger aus getrennt gesammeltem Urin und getrennt gesammelten Fäkalien bringt insgesamt keinen systematischen Ertragsnachteil gegenüber Mineraldünger. Das zeigt eine Auswertung von 134 Datensätzen aus 68 Veröffentlichungen mit 31 Kulturpflanzen.
Dünger aus getrennt gesammelten menschlichen Ausscheidungen bringt insgesamt keinen systematischen Ertragsnachteil gegenüber Mineraldünger. Zum Vergleich: Ungedüngte Flächen brachten im Mittel rund 40 Prozent weniger Ertrag als mineralisch gedüngte. Das ist das Ergebnis eines Fachaufsatzes, der am 30. September 2026 in der Zeitschrift Frontiers in Environmental Science erschienen ist. Beteiligt waren NetSan aus Berlin, Agroscope aus Zürich, das Leibniz-Institut IGZ in Großbeeren, die Universität Girona und das ISOE in Frankfurt.
Gemeint sind Dünger aus sogenannten ressourcenorientierten Sanitärsystemen. Diese Systeme sammeln Urin und Fäkalien getrennt und möglichst ohne Spülwasser, etwa in Trocken- und Trenntoiletten.
Die Forschenden werteten 455 Datensätze aus 201 Quellen in 32 Ländern aus; Deutschland lieferte mit 52 Quellen die meisten. Beschrieben wurden 13 Düngertypen, 5 flüssige und 8 feste. Für die Metaanalyse, also die gemeinsame statistische Auswertung vieler einzelner Studien, nutzten sie 134 Datensätze aus 68 Veröffentlichungen mit 31 Kulturpflanzen. Die Daten stammen aus Feld-, Topf- und Hydrokulturversuchen; in Hydrokultur wachsen Pflanzen ohne Erde in einer Nährlösung.
Auch die Schwermetallgehalte waren meist niedrig und mit etablierten Düngern vergleichbar. Ob ein solcher Dünger hygienisch sicher ist, hängt vom Ausgangsmaterial und von der Behandlung ab. Gefördert wurde das Projekt MARA von der Heidehof Stiftung über NetSan.
„So gut wie Mineraldünger“ gilt für den Durchschnitt. Einzelne Produkte schneiden schlechter ab: Konzentrierter Urin lag in Hydrokultur rund 25 Prozent unter Mineraldünger, gelagerter Urin brachte nur 24 Prozent mehr als gar kein Dünger, und dieser Unterschied ist statistisch nicht gesichert. Hygienische Grenzwerte wurden vor allem bei Fäkalkompost, Wurmkompost und getrocknetem Fäkalschlamm überschritten. Zu Arzneimittelrückständen und PFAS, langlebigen Industriechemikalien, gibt es nur lückenhafte Daten; als unbedenklich gelten diese Dünger damit nicht.
Es handelt sich um eine Auswertung vorhandener Studien, nicht um einen neuen Feldversuch. In Deutschland gibt es bislang keine Zulassungswege für diese Dünger in der Landwirtschaft. Der Verein NetSan, der sich für solche Sanitärsysteme einsetzt, ist zugleich Mitautor und Projektträger.