Erstmals hat eine personalisierte Krebsimpfung eine Phase-3-Studie bestanden
Medizin ·
Ein personalisierter mRNA-Impfstoff wird nach der Operation zusammen mit einer Immuntherapie gegeben. In der Studie kehrte der Tumor seltener zurück als unter der Immuntherapie allein.
Am 19. August 2026 meldeten Merck und Moderna, dass die Phase-3-Studie INTerpath-001 ihre beiden Endpunkte erreicht hat: längeres Überleben ohne Rückfall und längeres Überleben ohne Fernmetastasen. Es ist die erste personalisierte Krebsimpfung überhaupt, die eine Phase-3-Studie besteht, und zugleich die erste mRNA-Krebstherapie.
Geimpft wird dabei niemand, der gesund ist. Das Mittel heißt Intismeran autogene, früher mRNA-4157 oder V940, und wird nach der Operation gegeben, zusammen mit der eingeführten Immuntherapie Pembrolizumab. Es soll verhindern, dass der Krebs zurückkommt.
Hergestellt wird es für jeden Patienten einzeln. Der entfernte Tumor wird sequenziert, daraus werden bis zu 34 tumoreigene Merkmale ausgewählt und als mRNA verpackt. Das Immunsystem lernt daran, Zellen mit genau diesen Merkmalen anzugreifen.
An der Phase 3 nahmen 1.137 Patienten teil, alle mit vollständig entferntem Melanom der Stadien IIB bis IV; zwei Drittel bekamen die Kombination, ein Drittel nur Pembrolizumab. Die Verträglichkeit entsprach dem, was aus früheren Studien bekannt war, neue Sicherheitssignale gab es nicht. Am 21. September 2026 kündigte Moderna an, die vollständigen Zahlen am 24. Oktober 2026 auf dem ESMO-Kongress in Madrid vorzustellen.
Das ist keine Impfung gegen Hautkrebs. Wer das Wort Impfung hört, denkt an Vorbeugung; hier bekommt das Mittel nur, wer bereits ein Melanom hatte und bei wem es operativ vollständig entfernt wurde. Melanom ist dabei der schwarze Hautkrebs, nicht der viel häufigere und harmlosere weiße.
Zahlen zur Phase 3 gibt es noch nicht. Die Mitteilung nennt bewusst keine, sie sagt nur «statistisch signifikant und klinisch bedeutsam». Veröffentlicht und von unabhängigen Fachleuten geprüft sind sie bis heute nicht; Quelle ist bisher die Mitteilung der beiden Hersteller über ihr eigenes Produkt. Was an Prozentwerten kursiert — 49 Prozent weniger Rückfälle, 59 Prozent weniger Fernmetastasen — stammt aus der Vorgängerstudie KEYNOTE-942 mit 157 Patienten, vorgestellt im Juni 2026. Auf die große Studie lassen sich diese Werte nicht übertragen.
Gemessen wurde außerdem, wie lange die Patienten ohne Rückfall bleiben, nicht, ob sie länger leben. Ein Vorteil beim Gesamtüberleben ist damit nicht belegt, und von Heilung ist nicht die Rede.
Zugelassen ist das Mittel nirgends. Die Firmen kündigen an, Zulassungsanträge zu stellen; außerhalb von Studien kann es derzeit niemand bekommen.