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Hamburger Rechenmodell hilft, Herzinfarkt schneller auszuschließen, jetzt als Medizinprodukt zertifiziert

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Illustration zur Meldung: Hamburger Rechenmodell hilft, Herzinfarkt schneller auszuschließen, jetzt als Medizinprodukt zertifiziert
Illustration aus der Folge, mit KI erzeugt

Ein am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf entwickeltes Rechenmodell konnte in Studiendaten nach nur einer Blutabnahme bei 36 Prozent der Patienten einen Herzinfarkt sicher ausschließen, das bisherige Verfahren bei 14 Prozent. Im September 2026 wurde der „ACS Pathfinder“ als Medizinprodukt zertifiziert.

Der „ACS Pathfinder“ des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hat im September 2026 die CE-Zertifizierung als Medizinprodukt der Klasse IIb erhalten, dazu ein europäisches Patent. Es handelt sich um eine webbasierte Anwendung mit maschinellem Lernen, also einem Verfahren, bei dem ein Computerprogramm aus vielen Patientendaten Muster ableitet. Die Anwendung berechnet, wie wahrscheinlich bei einem Menschen in der Notaufnahme ein Herzinfarkt ist.

Dafür kombiniert sie den Herzmarker Troponin, einen Bluteiweißwert, der bei Schäden am Herzmuskel ansteigt, mit klinischen Angaben wie Alter, Herzfrequenz und EKG-Befund. Das zugrundeliegende ARTEMIS-Modell nutzt elf Routinewerte, die ohnehin erhoben werden.

Entwickelt und geprüft wurde das Modell mit Daten von über 27.000 Patienten aus neun Ländern. Die Studie erschien 2023 in der Fachzeitschrift Clinical Research in Cardiology: Entwickelt an 2.575 Patienten, bestätigt an 1.688 und geprüft in 13 internationalen Gruppen mit 23.411 Patienten. Nach einer einzigen Troponinmessung ließ sich ein Herzinfarkt mit dem Modell im Mittel bei 36 Prozent der Patienten sicher ausschließen, mit dem etablierten Vergleichsverfahren bei 14 Prozent. Je nach Gruppe lagen die Werte bei 30 bis 49 Prozent gegenüber 13 bis 15 Prozent nach der Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie, bei vergleichbarer Sicherheit.

Der Nutzen liegt darin, dass mehr Menschen ohne Herzinfarkt nach einer Blutabnahme früher Gewissheit haben und entlassen werden können. Eine vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung finanzierte Studie mit 658 Patienten in sechs Zentren soll Ende 2026 beginnen und den Einsatz in Notaufnahmen prüfen. Weiterentwickelt wird das Produkt von der ART-EMIS Hamburg GmbH, einer 2023 gegründeten Ausgründung des UKE.

Einordnung

Das Modell hilft, einen Herzinfarkt auszuschließen, nicht ihn schneller zu erkennen. Die Zahlen stammen aus der Auswertung bereits vorhandener Patientendaten; im echten Klinikalltag ist das Verfahren noch nicht geprüft, das nennen die Studienautoren selbst als Einschränkung. Die Werte sind Mittelwerte und keine Zusage für jede Klinik. Die CE-Zertifizierung bedeutet, dass das Produkt in Europa vertrieben werden darf, nicht, dass Kliniken es schon nutzen oder Krankenkassen es bezahlen.

Die Entwickler Prof. Johannes Neumann und Prof. Raphael Twerenbold sind Miterfinder, halten Patente und Anteile an der vermarktenden Firma. Mehrere Studienautoren haben Verbindungen zu Diagnostikherstellern wie Abbott, Roche und Siemens. Die Berichte über das Produkt geben im Kern die Mitteilung des UKE wieder; die Studie selbst ist begutachtet veröffentlicht.

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