Eine Handykamera erkennt Pflanzenkrankheiten am Blattfoto
Technik und Energie ·
Bilderkennung auf gewöhnlichen Mobiltelefonen bestimmt Pflanzenkrankheiten am Foto eines einzelnen Blattes. Auf sauberen Testsammlungen erreichen die Verfahren über 99 Prozent Trefferquote — auf dem Feld deutlich weniger.
Eine Pflanzenkrankheit zu bestimmen, war lange Facharbeit. Jemand musste aufs Feld kommen, sich das Blatt ansehen und wissen, wonach er sucht. In vielen Anbaugebieten gibt es diesen Jemand nicht, oder er kostet mehr, als die Ernte einbringt.
Seit einigen Jahren übernimmt das die Kamera eines gewöhnlichen Mobiltelefons. Die Software vergleicht das Blattfoto mit Zehntausenden beschrifteten Aufnahmen und nennt die wahrscheinlichste Krankheit. Neuere Anwendungen zeigen zusätzlich, welche Stelle des Blattes den Ausschlag gegeben hat, damit der Bauer die Diagnose selbst beurteilen kann.
Dass ausgerechnet die normale Farbkamera die Grundlage bildet, hat einen unromantischen Grund: Sie ist billig und ohnehin vorhanden. Spezialkameras für andere Wellenlängen können mehr, aber sie stecken in keinem Telefon.
Die Trefferquoten klingen beeindruckend. Auf den etablierten Testsammlungen erreichen die Verfahren über 99 Prozent. Übersichtsarbeiten weisen allerdings darauf hin, dass dieser Wert unter Feldbedingungen deutlich fällt. Die Testbilder zeigen ein einzelnes Blatt vor gleichmäßigem Hintergrund. Auf dem Acker steht dasselbe Blatt im Gewirr, im Gegenlicht, halb verdeckt — und hat womöglich zwei Krankheiten gleichzeitig.
Im Alltag laufen solche Anwendungen trotzdem, unter anderem bei Kleinbauern südlich der Sahara.
Das ist kein Ereignis, sondern eine Bestandsaufnahme, und gerade deshalb bemerkenswert. Die Technik ist seit Jahren im Einsatz, und genau das ist die Nachricht. Fortschritt fällt meist erst in dem Moment auf, in dem er aufhört, neu zu sein.
Der interessantere Teil ist die Lücke zwischen den 99 Prozent und dem, was auf dem Feld ankommt. Sie erklärt, warum in diesem Gebiet seit Jahren viel veröffentlicht und wenig verändert wird: Ein Verfahren, das sauber aufgenommene Einzelblätter sortiert, löst eine Aufgabe, die niemand hat. Die Aufgabe, die jemand hat, sieht unordentlicher aus.
Das ist kein Einwand gegen die Technik, sondern gegen die Art, wie über sie berichtet wird. Wer nur die Testzahl nennt, verspricht etwas anderes als das, was ein Telefon im Maisfeld leistet.
Nützlich ist sie trotzdem, und zwar aus einem Grund, der in den Trefferquoten nicht vorkommt: Eine Diagnose, die meistens stimmt und sofort da ist, hilft mehr als eine sichere Diagnose, die zwei Wochen später kommt oder gar nicht.