Mathematiker gewinnen Wordle in 99 von 100 Fällen, mit einer Theorie aus den 1940er Jahren
Kurioses ·
Forscher der Binghamton University haben das Worträtsel Wordle mit Informationstheorie angegangen. In Simulationen löste ihr Verfahren 99 Prozent der Rätsel, die übliche Strategie etwa 90 Prozent. Angefangen hat es als Übungsaufgabe für Studierende.
Bei Wordle muss man in sechs Versuchen ein Wort aus fünf Buchstaben erraten. Nach jedem Versuch zeigt das Spiel an, welche Buchstaben im Wort vorkommen und welche an der richtigen Stelle stehen.
Die meisten Spieler raten Wörter mit häufigen Buchstaben wie A, E oder R. Forscher der Binghamton University im Bundesstaat New York sind anders vorgegangen. Sie haben den Begriff der Entropie aus der Informationstheorie verwendet, die der Mathematiker Claude Shannon in den 1940er Jahren begründet hat.
Die Idee: Man rät nicht das Wort, das am wahrscheinlichsten die Lösung ist. Man rät das Wort, bei dem die Rückmeldung des Spiels am meisten verrät. Jeder Versuch soll möglichst viele der noch möglichen Lösungen auf einmal ausschließen.
In Computersimulationen löste dieses Verfahren 99 Prozent der Rätsel. Die übliche Strategie mit häufigen Buchstaben kam auf etwa 90 Prozent.
Angefangen hat es als Übungsaufgabe. Der Dozent Congyu Wu ließ seine Studierenden zeigen, wie sich Informationstheorie auf ein Alltagsproblem anwenden lässt. Daraus wurde eine Veröffentlichung im Northeast Journal of Complex Systems.
Der Kniff lässt sich auf vieles übertragen, bei dem man mit Fragen etwas herausfinden muss. Die naheliegende Frage ist oft nicht die beste. Besser ist die, deren Antwort am meisten verrät, auch wenn sie selbst kaum die Lösung sein kann.
Zwei Dinge sollte man dazu wissen. Die 99 Prozent stammen aus Simulationen, nicht aus Spielen echter Menschen. Und die Studie ist nicht neu: Die Universität hat sie im Juni vorgestellt, einige Nachrichtenseiten haben sie im September noch einmal gebracht.