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Wie sich Meeresgesundheit durch marine Wiederansiedlung stärken lässt

Natur und Umwelt ·

Meeresschutz beschränkt sich bisher meist darauf, Gebiete unter Schutz zu stellen. Ein Fachaufsatz legt acht Grundsätze vor, nach denen Meeresgebiete stattdessen aktiv wiederhergestellt werden sollen.

Ein Meeresschutzgebiet hält fest, was da ist. Es verbietet Fischerei oder Rohstoffabbau und überlässt den Rest der Natur. Bei einem Gebiet, das noch weitgehend intakt ist, funktioniert das. Bei einem bereits ausgeräumten bedeutet es, den Schaden zu konservieren.

Ein Fachaufsatz in der Zeitschrift Conservation Science and Practice schlägt deshalb einen anderen Weg vor und nennt ihn marine rewilding, also Wiederverwilderung des Meeres. Das Ziel ist nicht, einen Zustand zu bewahren, sondern ökologische Abläufe wieder in Gang zu bringen, bis das System sich selbst trägt und ohne dauerndes Zutun auskommt.

Die Autoren legen acht Grundsätze vor. Sie stammen aus zwei Richtungen: aus der Wiederansiedlungsforschung an Land, wo es um Nahrungsketten, natürliche Prozesse und die Ausbreitung von Arten geht, und aus der gesellschaftlichen Seite desselben Fachs, in der Mitsprache, Verwaltung und das Verhältnis der Anwohner zu ihrer Umgebung im Vordergrund stehen.

Der Anlass ist der Zustand der Meere: Überfischung, Versauerung, Erwärmung. Der Aufsatz argumentiert, dass Schutz allein diesen Entwicklungen nicht mehr gewachsen ist.

Einordnung

Das ist ein Vorschlag, kein Ereignis, und man sollte ihn nicht für mehr halten. Ein Fachaufsatz mit acht Grundsätzen hat noch keinen Seeigel umgesiedelt.

Der Unterschied, um den es geht, ist trotzdem erheblich, und an Land ist er längst vollzogen. Dass man einen Wald nicht nur schützt, sondern aufforstet, und ein Moor nicht nur in Ruhe lässt, sondern wiedervernässt, ist seit Jahrzehnten selbstverständlich. Im Meer ist es das nicht.

Ein Grund dafür liegt auf der Hand: Niemand sieht, was dort fehlt. Eine gerodete Fläche erkennt jeder von der Straße aus. Ein leergefischtes Riff sieht von einem Boot genauso aus wie ein volles. Was man nicht vermisst, stellt man auch nicht wieder her.

Bemerkenswert ist, dass ein Teil der Grundsätze gar nicht von Biologie handelt, sondern von Mitsprache und Verwaltung. Das ist eine Lehre aus der Wiederansiedlung an Land: Solche Vorhaben scheitern selten an der Ökologie und häufig daran, dass die Menschen vor Ort nicht gefragt wurden.

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