Neue Tierart in der Schublade: Riesenassel lag seit den 1980er-Jahren in der Tübinger Sammlung
Natur und Umwelt ·
Eine Riesenassel, die seit den 1980er-Jahren falsch beschriftet in der Paläontologischen Sammlung der Universität Tübingen lag, gehört zu einer bisher unbekannten Art. Der Student Benedikt Kästle und der Kustos Ingmar Werneburg haben die Art erkannt und Bathynomus tuebingoborikensis genannt.
In der Paläontologischen Sammlung der Universität Tübingen lag jahrzehntelang eine 32,2 Zentimeter lange Riesenassel mit dem Etikett Bathynomus giganteus. Der Paläontologie-Student Benedikt Kästle und PD Dr. Ingmar Werneburg, Kustos der Sammlung, haben gezeigt, dass das Tier zu einer eigenen Art gehört. Die Arbeit ist in der Fachzeitschrift Scientific Reports erschienen, die Universität hat am 8. Oktober 2026 darüber berichtet.
Das Tier stammt aus Puerto Rico. Der Tübinger Professor Dolf Seilacher brachte es in den 1980er-Jahren von einer Forschungsstation als Lehrstück mit. Gefangen worden war die Assel in einer Falle in etwa 500 Metern Tiefe.
Kästle und Werneburg untersuchten das Tier unter anderem mit Mikro-Computertomografie, einem Röntgenverfahren, das feine Strukturen dreidimensional sichtbar macht. Unterschiede etwa an den Mundwerkzeugen zeigten, dass es sich um eine eigene Art handelt. Mit 32,2 Zentimetern zählt sie zu den „Kolossriesen“ ihrer Gattung. Ihr nächster Verwandter ist eine Riesenassel vor der Halbinsel Yucatán in Mexiko.
Der Name Bathynomus tuebingoborikensis verbindet Tübingen mit „Boríken“, dem Namen der indigenen Taíno für Puerto Rico. Werneburg freut sich besonders darüber, dass die Art nicht ausgestorben ist.
Das Tübinger Exemplar ist bisher das einzige bekannte Tier der neuen Art. Weitere werden in Puerto Rico vermutet, gefunden sind sie noch nicht.
Die Assel ist kein Fossil. Sie ist ein getrocknetes Tier einer heute lebenden Art, das nur in einer Fossiliensammlung aufbewahrt wurde.