Fortschritt, den keiner gemerkt hatMit Vorbehalt

Österreich: Seit der kostenlosen RSV-Immunisierung kommen deutlich weniger Babys ins Spital

Medizin ·

In Österreich kamen in der Saison 2025/26 nach Angaben aus dem Gesundheitsministerium und der Kinderärzte-Gesellschaft 74 Prozent weniger Babys bis zwölf Monate wegen des Atemwegsvirus RSV ins Spital als in der Saison 2023/24. Seit Ende 2024 bekommen Neugeborene dort kostenlos einen Antikörper, der vor RSV schützen soll.

In Österreich kommen deutlich weniger Babys wegen des Atemwegsvirus RSV ins Spital, seit Neugeborene kostenlos eine passive Immunisierung bekommen. In der Saison 2025/26 gab es im Vergleich zur Saison 2023/24 bei Babys bis zwölf Monate 74 Prozent weniger Spitalsaufnahmen wegen RSV, bei Kindern von 13 bis 24 Monaten 21 Prozent weniger. Zusammen sind das 1.740 Aufnahmen weniger. Die Zahlen nannten Maria Paulke-Korinek, die im Gesundheitsministerium die Abteilung Impfwesen leitet, und der Kinderarzt Reinhold Kerbl vom LKH Hochsteiermark in Leoben, Generalsekretär der Kinderärzte-Gesellschaft ÖGKJ. Die Nachrichtenagentur APA berichtete am 30. September 2026.

Seit Ende 2024 gehört der Antikörper Nirsevimab, Handelsname Beyfortus, zum österreichischen Kinderimpfprogramm. Passive Immunisierung heißt: Das Baby bekommt fertige Antikörper, statt sie wie bei einer Impfung selbst zu bilden. Wie viele Familien mitmachen, wird nicht genau erfasst, weil Neugeborene noch keine Sozialversicherungsnummer haben. Laut APA liegt die Teilnahme auf Geburtenstationen je nach Spital und Bundesland bei 75 bis 90 Prozent, bei niedergelassenen Kinderärzten bei 50 bis 65 Prozent.

Auch regionale Daten zeigen einen Rückgang. Eine Tiroler Studie, 2025 in der Fachzeitschrift Frontiers in Public Health erschienen, untersuchte die Saison vom 5. Dezember 2024 bis 15. April 2025. Von 1.156 Neugeborenen aus drei Geburtenstationen waren fast 70 Prozent geschützt. Die RSV-Spitalsaufnahmen von Kindern unter einem Jahr sanken von 151 in Saisons vor der Pandemie auf 47. Die Universitätskinderklinik Graz berichtete im Juni 2026 von 77 Prozent weniger Spitalsaufenthalten bei Säuglingen.

Einordnung

Die landesweiten Zahlen, 74 Prozent und 1.740 Aufnahmen, stammen aus einem Hintergrundgespräch, das der Hersteller Sanofi angestoßen hat, und sind nur aus einer einzigen Agenturmeldung bekannt. Eine veröffentlichte Auswertung des Ministeriums dazu liegt nicht vor. Die Fachstudie gilt nur für Tirol und die Saison 2024/25, die Grazer Zahl nur für eine Klinik. Von einer Halbierung kann man nur sprechen, wenn man alle Kinder bis zwei Jahre zusammennimmt; bei Ein- bis Zweijährigen sind es 21 Prozent.

Alle Zahlen vergleichen einzelne Saisons vor und nach der Einführung, und RSV-Wellen sind von Jahr zu Jahr unterschiedlich stark. Deshalb ist nicht sicher, dass der ganze Rückgang auf die Immunisierung zurückgeht. Nirsevimab ist ein Antikörper, keine aktive Impfung; die Meldung betrifft das österreichische Kinderimpfprogramm, nicht Deutschland.

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