Allerlei

Das Problem mit Altbatterien ist nicht Recycling, sondern Geografie

Technik und Energie ·

In China fallen ausgemusterte Autobatterien dort an, wo kaum Stromspeicher gebraucht werden, und umgekehrt. Eine Untersuchung rechnet vor, dass sie bis 2050 bis zu 67 Prozent des chinesischen Speicherbedarfs decken könnten.

Über ausgediente Autobatterien wird fast immer als Recyclingproblem gesprochen: Wie holt man Lithium, Kobalt und Nickel wieder heraus, und was kostet das.

Eine Untersuchung zum chinesischen Bestand setzt einen Schritt davor an. Eine Batterie, die für ein Auto zu schwach geworden ist, hat noch genug Kapazität, um jahrelang als ortsfester Stromspeicher zu arbeiten. Dort muss sie nicht leicht sein und keine Beschleunigung liefern, sie muss nur Strom halten.

Das Hindernis ist keine Chemie, sondern eine Landkarte. Autos werden in den wohlhabenden Küstenregionen gefahren und dort ausgemustert. Der Bedarf an Speichern entsteht dagegen, wo Wind- und Solarstrom erzeugt wird, im Norden und Westen. Alte Batterien und offener Bedarf liegen an entgegengesetzten Enden des Landes.

Die Rechnung dazu: Bis 2050 ließen sich auf diesem Weg bis zu 67 Prozent des chinesischen Speicherbedarfs decken. Ein landesweit abgestimmtes System aus Wiederverwendung und Recycling käme über dreißig Jahre auf eine Einsparung von 6,1 Milliarden Tonnen Kohlendioxid und 3,9 Billionen Yuan.

Dass der Transport quer durchs Land diese Bilanz auffresse, ist der naheliegende Einwand — und er trifft nicht zu. Die Untersuchung veranschlagt dafür 2,3 Prozent der eingesparten Kosten und 0,03 Prozent der eingesparten Emissionen.

Einordnung

Die Meldung dreht eine verbreitete Annahme um, und darin liegt ihr Wert. Recycling gilt als die verantwortungsvolle Antwort auf Batterieabfall. Der Befund sagt: Recycling ist der zweite Schritt, und wer ihn zuerst macht, zerlegt etwas, das noch arbeiten könnte.

Bemerkenswert ist die Art des Hindernisses. Es ist keine ungelöste physikalische Frage, sondern eine Organisationsaufgabe — Lastwagen, Genehmigungen, ein Verzeichnis darüber, wer welche Batterie wohin bringt. Probleme dieser Art lassen sich mit Entscheidungen lösen statt mit Durchbrüchen. Das macht sie langweiliger und zugleich aussichtsreicher als die meisten Meldungen über Batterietechnik.

Was der Befund nicht hergibt: Es ist eine Modellrechnung über dreißig Jahre, keine gemessene Bilanz. Solche Zahlen hängen an Annahmen über Fahrzeugbestände, Strommix und Preise, und keine davon ist bis 2050 bekannt. Die Richtung ist belastbarer als die Ziffern.

Und die Rechnung gilt für China. Ein Land mit kurzen Wegen oder ohne dieses Gefälle zwischen den Regionen käme auf ein anderes Ergebnis.

Weitersagen WhatsApp