Späte Jets nach Sternzerreißungen setzen bei rund drei Prozent der Eddington-Grenze ein
Universum und Raumfahrt ·
Zerreißt ein supermassereiches Schwarzes Loch einen Stern, folgt oft erst Jahre später ein Radioausbruch. Zwei Forschende haben für zehn solcher Ereignisse bestimmt, wann das geschieht: bei etwa drei Prozent der Eddington-Grenze, jener Rate, ab der der Strahlungsdruck den weiteren Einfall bremst. Schwarze Löcher von wenigen Sonnenmassen wechseln bei rund zwei Prozent ihren Zustand.
Am 17. September 2026 erschien in Nature Astronomy die Arbeit „A universal critical accretion rate for black hole jet formation“ von Adelle J. Goodwin und Andrew Mummery. Goodwin forscht am International Centre for Radio Astronomy Research der Curtin University in Perth, Mummery am Institute for Advanced Study in Princeton.
Untersucht wurden Gezeiten-Zerreißereignisse, bei denen ein supermassereiches Schwarzes Loch einen Stern zerreißt und sich die Scheibe aus Sternresten über Jahre beobachten lässt. Von 20 gut vermessenen Ereignissen ließen sich 10 belastbar modellieren, mit zusammen 11 Radioausbrüchen.
Für die spät einsetzenden Ausbrüche ergibt sich eine Fressrate von etwa drei Prozent der Eddington-Grenze, mit einer Spanne von einem bis sechs Prozent. Sie traten Hunderte bis über tausend Tage nach dem Zerreißen auf, im Mittel nach rund 625 Tagen.
Bei Schwarzen Löchern von einigen Sonnenmassen in Röntgendoppelsternen ist seit Langem eine Schwelle von rund zwei Prozent bekannt, bei der sie ihren Zustand wechseln. Der nun an den Zerreißereignissen gemessene Wert ist damit verträglich, obwohl sich die verglichenen Systeme in der Masse nach Angabe der Autoren um plausibel rund sieben Größenordnungen unterscheiden.
Der Befund beruht auf zehn Objekten, nicht auf allen zwanzig gesichteten, und ist kein bewiesenes Naturgesetz. Die kleinen Schwarzen Löcher hat die Arbeit nicht selbst vermessen, sie vergleicht mit einem bekannten Literaturwert. Die Autoren nennen eigene Einschränkungen: eine gleichbleibende Ausflussgeschwindigkeit als Annahme, ein Scheibenmodell, das oberhalb der Eddington-Grenze versagt, und bei einigen Objekten fehlende Röntgenstrahlung.