Vanillin könnte einmal in Wundauflagen gegen chronische Wunden helfen
Medizin ·
Wundauflagen mit Vanillin, dem Hauptaromastoff der Vanilleschote, haben in Tierversuchen an Mäusen und Ratten oft 94 bis 96 Prozent Wundverschluss in zwei bis drei Wochen erreicht. Das geht aus einer Auswertung bisheriger Forschung an der Flinders University in Australien hervor.
Forschende des Biomedical Nanoengineering Laboratory der Flinders University in Adelaide, Australien, haben um Prof. Krasimir Vasilev eine Arbeit über Vanillin in der Wundbehandlung veröffentlicht. Sie ist im International Journal of Pharmaceutics erschienen, laut Mitteilung am 5. September 2026. Die Arbeit wertet Studien der letzten rund 20 Jahre aus. Darin erreichten Wundauflagen mit Vanillin bei Mäusen und Ratten oft 94 bis 96 Prozent Wundverschluss innerhalb von zwei bis drei Wochen.
Vanillin ist der Hauptaromastoff der Vanilleschote. Laut der Arbeit wirkt der Stoff antioxidativ, schützt also vor schädlichen Sauerstoffverbindungen, außerdem entzündungshemmend und antibakteriell.
Für Wundauflagen ist noch eine weitere Eigenschaft wichtig: Vanillin kann mit Naturpolymeren wie Chitosan umkehrbare Bindungen eingehen. Naturpolymere sind lange Kettenmoleküle natürlichen Ursprungs. Aus solchen Verbindungen lassen sich selbstheilende Hydrogele und Wundauflagen bauen. Hydrogele sind wasserhaltige Gele, selbstheilend heißt, dass sie sich nach einer Beschädigung wieder schließen können.
Dazu kommt der Preis. Vanillin ist billig und lässt sich synthetisch in großen Mengen herstellen, etwa aus Nelkenöl oder Reis. Vasilev sieht das Potenzial, Vanillin bis zu einem klinisch einsetzbaren Bestandteil künftiger Wundversorgung zu entwickeln. Dafür sei die Zusammenarbeit von Forschung, Kliniken und Industrie nötig.
Es gibt keine Daten an Menschen. Die Zahlen zum Wundverschluss stammen aus Tierversuchen anderer Forschungsgruppen, nicht aus einer eigenen Studie des Teams in Adelaide. Die Arbeit selbst wird unterschiedlich beschrieben, einmal als Übersichtsarbeit, einmal als experimentelle Studie. Vanillin ist ein Kandidat für künftige Wundauflagen, kein zugelassenes Mittel; bis zum Einsatz in Kliniken ist es nach Vasilevs eigener Einschätzung noch ein Entwicklungsweg.
Offen ist unter anderem, wie tief Vanillin in geschädigte Haut eindringt und ob die Wirkung vom Vanillin selbst oder von seinen Abbauprodukten kommt. Vanille oder Vanillinzucker gehören nicht in Wunden.