Vier Tage statt acht Wochen: Kompakttherapie hilft bei Zwangsstörungen deutlich besser als Online-Therapie
Medizin ·
In einer randomisierten Studie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sprachen drei Monate nach einer viertägigen Kompakttherapie 61 Prozent der Menschen mit Zwangsstörung klinisch relevant auf die Behandlung an. Nach acht Wochen Online-Therapie waren es 25 Prozent.
Forschende des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben zwei Behandlungen für Zwangsstörungen verglichen. An der Studie nahmen 119 Erwachsene teil, aufgenommen zwischen Mai 2024 und August 2025. Per Zufall bekamen 60 von ihnen die Bergen 4-Day Treatment, kurz B4DT, und 59 eine achtwöchige Verhaltenstherapie über das Internet. Die Ergebnisse sind am 19. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift JAMA Network Open erschienen, Erstautorin ist Prof. Dr. Lena Jelinek.
Gemessen wurden die Beschwerden mit der Y-BOCS-Skala von 0 bis 40 Punkten, je höher der Wert, desto stärker der Zwang. Die Bewerter wussten nicht, wer welche Behandlung bekommen hatte. Direkt nach der Behandlung lag die Kompaktgruppe im Schnitt 7,9 Punkte besser, drei Monate später noch 5,6 Punkte. Nach drei Monaten sprachen 61 Prozent (35 von 57) der Kompaktgruppe klinisch relevant an, in der Online-Gruppe 25 Prozent (11 von 44). Eine Remission, also einen Wert von höchstens 12 Punkten, erreichten 42 Prozent (24 von 57) gegenüber 14 Prozent (6 von 44).
Die Kompakttherapie wurde in Bergen in Norwegen entwickelt. Nach einer vorbereitenden Sitzung folgen vier Behandlungstage hintereinander, mit Gruppen- und Einzelanteilen und Expositionsübungen, bei denen man sich gezielt den Situationen stellt, die den Zwang auslösen. Danach gibt es eine Auffrischung und eine Sitzung für Angehörige. Beide Gruppen durften zusätzlich ihre normale Versorgung nutzen, etwa ambulante Psychotherapie oder Medikamente.
Gefördert wurde die Studie von der Peter-Möhrle-Stiftung. Das UKE bietet das Verfahren als erster Standort in Deutschland an.
Verglichen wurde mit einer achtwöchigen Online-Therapie, nicht mit einer klassischen Psychotherapie über Monate. Die Prozentwerte beziehen sich auf die Teilnehmer, die nach drei Monaten noch gemessen wurden, in der Online-Gruppe fehlten mehr Daten. Beobachtet wurde bisher nur drei Monate lang, eine Auswertung nach zwölf Monaten steht aus. Die Studie lief an nur einem Zentrum, Patienten und Therapeuten wussten, welche Behandlung es war. Erste Ergebnisse waren schon im Dezember 2025 auf einem Fachkongress zu hören, neu ist die begutachtete Veröffentlichung.
Mehrere Autoren gehören dem Verein BergenNet an, der das Verfahren verbreiten will, zwei der drei Gruppenleiter sind Mitautoren. Ob die Kompakttherapie Kosten spart oder mehr Menschen zu einer Behandlung verhilft, ist noch nicht untersucht, die vier Tage binden viel Personal auf einmal. In Norwegen wird B4DT schon seit Jahren angewendet.