Webb sieht erstmals Wasserwolken außerhalb des Sonnensystems, die dichter und dünner werden
Universum und Raumfahrt ·
Das James-Webb-Weltraumteleskop hat erstmals Hinweise auf Wasserwolken außerhalb des Sonnensystems gefunden, die dichter und dünner werden. Die Wolken liegen hoch in der Atmosphäre von WISE 0855, dem kältesten bekannten Braunen Zwerg, gut sieben Lichtjahre von uns entfernt.
Ein Team um die Astronomin Brittany E. Miles von der University of Arizona hat den Braunen Zwerg WISE 0855 mit dem James-Webb-Weltraumteleskop 11 Stunden lang beobachtet. Das Instrument NIRSpec nahm dabei alle 15 Minuten ein Spektrum auf, also das in seine Wellenlängen zerlegte Licht, im Bereich von 2,87 bis 5,27 Mikrometern. Die Auswertung zeigt Hinweise auf eine fleckige Schicht aus Wasserwolken in großer Höhe, die dichter und dünner wird, während sich WISE 0855 dreht.
Ein Brauner Zwerg ist ein Himmelskörper, der weder Planet noch Stern ist. WISE 0855 hat etwa die doppelte Masse des Jupiters und ist ungefähr so groß wie Jupiter. Mit rund 265 Kelvin, das sind etwa minus 8 Grad Celsius, ist er der kälteste bekannte Braune Zwerg.
Das stärkste veränderliche Signal stammt vom Kohlenmonoxid, es schwankt um bis zu 10 Prozent. Kohlenmonoxid und Phosphin schwanken dabei gemeinsam. Die Forschenden erklären das mit Konvektion: Aufsteigende Strömungen tragen Gas aus tieferen Schichten der Atmosphäre nach oben.
Zum Team gehört unter anderem Mark Marley vom Lunar and Planetary Laboratory in Arizona. Leitautorin Miles sagt, zum ersten Mal habe man bestätigen können, dass Wasserwolken auf einer nahen Welt dünner und dichter werden. Die Studie ist als Vorabveröffentlichung erschienen und vom Astronomical Journal zur Veröffentlichung angenommen.
Webb hat die Wolken nicht fotografiert, sondern ihr Licht zerlegt; die Studie spricht von Hinweisen im Spektrum. Das „erstmals“ gilt für veränderliche Wasserwolken außerhalb des Sonnensystems. Wechselnde Wolken anderer Art, etwa aus Silikaten, wurden auf Braunen Zwergen schon früher beobachtet.
WISE 0855 ist kein Exoplanet. Einer der veröffentlichten Texte zur Studie stammt von der University of Arizona selbst, an der die Leitautorin forscht.